TONGUE – Partizipatives Kunstprojekt

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INFO

FR. 28. OKT. 2016, 16 Uhr

Workshopleitung: Nadin Reschke und Leslie Kuo
Anmeldung unter: info@nadinreschke.de
Anzahl der Teilnehmer_innen: max 20
Dauer: 120 min.
Sprache: German, English, Pidgin u.a.
Ort: ZUsammenKUNFT, Stresemannstraße 95-97, 10963 Berlin
Eintritt zur Veranstaltung frei. Die Akademie der ZUsammenKUNFT wird gefördert aus Mitteln der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten Berlin

BESCHREIBUNG

TONGUE ist ein partizipatives Kunstprojekt zu neuen Sprachräumen, das von Nadin Reschke (Berlin) und Oda Projesi (Istanbul) 2009 in Berlin initiiert wurde und sich seitdem auf verschiedenen Ebenen weiterentwickelt. Die Teilnehmer*innen stellen die Sprache nach Duden in Frage und begeben sich auf die Suche nach nicht manifestierten Zungenräumen. Das Projekt bringt verschiedene Akteure in der Nachbarschaft zusammen, die in einem selbst organisierenden Kursprogramm entweder als Lehrer*innen ihre Alltagssprache unterrichten oder als Schüler*innen andere Alltagssprachen lernen. Unter Alltagssprachen verstehen wir die individuellen Zwischenformen von Sprache, die sich im Alltag entwickeln, vor allem auch Wortneuschöpfungen. Ziel des Kursprogramms ist es, das Klischee des Turms zu Babel hinter uns lassen – einen Ort, an dem alle Sprachen gleichzeitig existieren, wenn auch getrennt voneinander – und einen Schritt weiterzugehen, indem wir fragen: „Kann man eine neue Sprache schaffen, indem man von der Alltagssprache einzelner statt von der Sprache einer ganzen Gruppe ausgeht?“ 

In unserem neuen Workshop wird Leslie Kuo, die seit 2006 in Berlin lebt, über ihre Erfahrungen mit dem Deutschlernen sprechen. Sie hat während einem zweijährigen Aufenthalt in Hawaii einen ganz anderen Umgang mit sprachlicher Integration erlebt. Dort ist keine ethnische Gruppe in der Mehrheit, es gibt aber die mehrheitliche Selbstidentifikation als “Local” von Zugehörigen aller ethnischen Gruppen, die früher nach Hawaii kamen, um auf den Plantagen zu arbeiten. Daraus enstand eine gemeinsame Sprache: Pidgin, mit Englisch als Basis und starken Einflüssen von u.a. Hawiianisch, Japanisch, Chinesich, Koreanisch, Portuguesisch, und Filipino. Pidgin wird heute meist als Muttersprache gelernt. Obwohl Pidgin von manchen als Slang verpönt wird, wie etwa “Kiezdeutsch,” wird sie von Linguisten als Sprache gesehen und zunehmend als Kulturgut anerkannt. Sie hat sich über viele Jahrzehnte als ein Ausdruck der Gemeinsamkeiten zwischen Menschen, als Zeichen der Zugehörigkeit bewahrt. Im Anschluss wollen wir die Frage diskutieren und anhand von praktischen Übungen thematisieren, wie eine gemeinsame Sprache aller Teilnehmer*innen in Berlin aussehen könnte. Neben praktischen Übungen wird es viel Diskussionen geben, in denen sich alle mit ihren Erfahrungen einbringen können.

english

TONGUE – Participative Art Project on Everyday Language

Friday 28 October 2016, 4pm

Workshop leaders: Nadin Reschke and Leslie Kuo
Register at: info@nadinreschke.de
Number of participants: maximum of 20
Duration: 120 minutes
Language: German, English, Pidgin, whatever language you speak
Location: ZUsammenKUNFT, Stresemannstraße 95-97, 10963 Berlin

Description
TONGUE is a participative art project about new language spaces, initiated by Nadin Reschke (Berlin) and Oda Projesi (Istanbul) in 2009 in Berlin and which has continued developing on different levels since then. The participants call into question „language according to the dictionary“ and go searching for unrecognized tongue spaces. The project brings different people in a community together in a self-organized course program. Anyone can be a teacher and teach their everyday language; anyone can be a student and learn the everyday languages of their neighbors. By ‚everyday language,‘ we mean the individual, transitional forms of language which develop in everday life, in particularly the coining of new words. The goal of the course program is to move past the cliché of the Tower of Babel — a place where all languages exist at the same time, but separately from one another — and to go a step further by asking, „Can you create a new language that is based on the everyday language of individuals instead of the language of a whole group?“

In our new workshop, Leslie Kuo, who immigrated to Berlin in 2006, will share her experience with learning German and other languages. She just returned from living in Hawaii for two years, where she experienced a very different way of dealing with language integration. There, no single ethnic group is in the majority, but there is a majority that shares the self-idenity of „local,“ which includes all the ethnic groups who came to Hawaii to work on the plantations. There, a common language known as Pidgin developed, with English as a basis and strong influences from Hawaiian, Japanese, Chinese, Korean, Portuguese, Filipino languages and other languages. Hawaii Pidgin English is now often learned as a native language. Although it is often dismissed as mere „slang“ (as „Kiezdeutsch“ is in Germany), it is seen by linguists as a language and its cultural value is increasingly recognized. Through the decades, it has continued to be an expression of shared experience, a sign of belonging. Following Leslie’s story, we will discuss what a common language in Berlin could look like, using pratical exercizes and the languages of all the participants. In addition to the exercizes, there will be discussions in which everyone can share their experiences.