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Vortrag: „Paraden / Proteste — Inszenierung und Aneignung“

8. Juli 2020 | 19:00 21:00

Vortrag mit Dr. Florian Göttke

Gesellschaftsordnung symbolisch im Stadtraum sichtbar machen. Dabei wird aus einem relativ beschränkten Repertoire theatraler Präsentationsformen geschöpft. Oft führen diese Märsche entlang bestimmter Routen von symbolische Bedeutung, welche im Laufe der Zeit auch angepasst und verändert werden konnte. So wird eine Geographie des Gedenkens und der Identität in den Stadtraum eingeschrieben. Protestmärsche und Demonstrationen sind die inoffiziellen Gegen-Praktiken, die Unrecht und Konflikte in der bestehenden Ordnung anprangern und Alternativen aufzeigen. Diese besetzen oft dieselbe symbolisch aufgeladene Geographie des Gedenkens und eignen sich etablierte Präsentationsformen an um diese zu untergraben. Im Berlin der Weimarer Republik war der Lustgarten der zentrale Ort für politische Protestkundgebungen. Nach dem Krieg inkorporierte die Ostberliner Regierung diese ursprünglich kritischen Traditionen in das offizielle Erinnerungsrepertoire und begann die symbolische Geographie nach
sozialistischen Maßstäben umzuformen. Diesen ideologischen Anpassungen fiel 1950 auch das Stadtschloss zum Opfer. Nach der Wende setzten ähnliche Prozesse unter anderen Vorzeichen ein, die unter anderem zur Rekonstruktion des Stadtschlosses führten. Anhand von Beispielen aus Berlin und anderen Ländern werden Prozesse wechselweiser Aneignung und Manipulation politischer Machtsymbole und -praktiken aufgezeigt. Dabei geht es nicht nur um die gebaute Umwelt, sondern auch um ephemere Formen der Präsentation und des politischen Ikonoklasmus.

Details

Datum:
8. Juli
Zeit:
19:00–21:00
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