Planung

Das Quartiersentwicklung am Haus der Statistik vereint die drei Ebenen Projektsteuerung der Koop5, Städtebauliche Planung und Mitwirkung durch die interessierte Stadt­gesellschaft. Das integrierte Werkstattverfahren begann im September 2018 und fand seinen vorläufigen Höhepunkt im Februar 2019 mit der finalen Entscheidung für den städtebaulichen Entwurf  von Teleinternetcafe und Treibhaus Landschaftsarchitektur. 

Ergebnis des städtebaulichen Werkstattverfahrens. Stand Februar 2019 © Teleinternetcafe / Treibhaus

 

Der Entwurf wird nun bis 2021 in einen Bebauungsplan (B-Plan) überführt, um die neuen Gebäude hinter dem Haus der Statistik errichten zu können. Zu diesem Zweck wird das integrierte Werkstattverfahren weitergeführt. Die allgemeine Projektsteuerung und die vertiefende Planung durch Teleinternetcafe/Treibhaus, werden durch vielfältige Formate der Mitwirkung ergänzt.

Auf dem Weg zum Bebauungsplan

Im Rahmen des Bebauungsplan-Verfahrens wird der städtebauliche Entwurf durch Teleinternetcafe und Treibhaus verfeinert und schrittweise an die damit verbundenen technischen, baurechtlichen und wirtschaftlichen Anforderungen angepasst. Damit einher gehen viele Aushandlungsprozesse der Koop5 untereinander aber auch mit den involvierten Fachplanern (Mobilität, Energie, Regenwassermanagement), Gutachtern und den zuständigen Fachämtern. 

Es gilt den Bedarf nach Aufstellflächen für die Feuerwehr mit der Aufenthaltsqualität in den Stadtzimmern zu vereinigen; den Wunsch nach einem möglichst autofreien Quartier mit den Anforderungen an Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Menschen und für gepfändete Autos vor dem geplanten Finanzamt in Einklang zu bringen; Flächenkonkurrenzen auf den Dächern zwischen Haustechnik, Photovoltaik, Regenwasserretention und Begehbarkeit auszuhandeln; attraktive Räume zu schaffen bei gleichzeitiger Bezahlbarkeit für die späteren Nutzerinnen und Nutzer. Je feiner der Maßstab wird, desto komplexer werden die Anforderungen.

Das dabei von allen beteiligten Kompromisse eingegangen werden müssen, liegt in der Natur einer kooperativen Quartiersentwicklung.

Aktueller Stand der Planung

Seit Februar 2019 hat sich eine Menge getan. Hinter vermeintlich kleinen Anpassungen stecken oftmals viele Verhandlungen, Abwägungen und das geduldige Aufzeigen weiterer Varianten durch Teleinternetcafe und Treibhaus.  

Überarbeitung des Städtebaus. Arbeitsstand Mai 2020 © Teleinternetcafe / Treibhaus

Durch die mögliche Aufstockung des geplanten Rathauses für den Bezirk Mitte um 30m auf insgesamt 90m hat sich nicht nur die Kubatur (Volumen des Bauwerks) verändert, es werden dadurch auch weitere Flächen für Nutzungen aus dem Bereich Kunst, Kultur, Bildung und Soziales in der Sockelzone geschaffen. Gleichzeitig rutscht ein Teil der Verwaltungsflächen – wie in der Kooperationsvereinbarung 1.0 festgehalten – in Haus A. Die Wohnbebauung am Haus der Gesundheit musste etwas angepasst werden, um Abstandsflächen zu wahren und auf die geplante Aufstockung der Nachbarn zu reagieren, für die bereits eine Baugenehmigung vorliegt. 

Die größte Veränderung erlebt derzeit das Aktivitätenband. Im Zuge des Mobilitätskonzeptes wurde ein sehr viel größerer Bedarf nach Stellplätzen deutlich, als bisher angenommen. Insbesondere die Anforderungen des Finanzamts (das in Teile der Bestandsbauten ziehen wird) nach Stellplätzen für gepfändete Autos, bringt die Flächen entlang der Otto-Braun-Straße unter massiven Flächendruck. So setzt sich die Koop5 aktuell damit auseinander, wie die zahlreichen Ideen und Qualitäten, die durch Interessierte aus der Stadtgesellschaft auf Basis des Entwurfs von Teleinternetcafe und Treibhaus entwickelt wurden, mit den neuen Rahmenbedingungen vereinbart werden können. 

Diese Anpassungen machen deutlich: die Entwicklung des Quartiers Haus der Statistik ist ein komplexes Unterfangen. Das Anpassen und Weiterbauen von Stadt erfordert ein Handeln jenseits des Denkens in Zuständigkeiten, eine starke Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen und ein hohes Maß an Flexibilität, um im Prozess auf Veränderungen reagieren zu können. Es gilt gezielt, aber zukunftsoffen zu arbeiten. Nur so entsteht ein Stück lebendiges Stadt

Bedarfsplanung der Bausteine der Initiative

Mit der Entscheidung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen (SenSW), die sogenannte Bedarfsträgerschaft für die Bausteine der Initiative (Haus A, Kuratierte EG im Bestand und Neubau, Inklusives Wohnen, Aktivitätenband und Experimentierhäuser) zu übernehmen, ist ein großer Schritt für die kooperative Quartiersentwicklung zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung erreicht.

Ein Bedarfsplan bildet alle Bedarfe an einen Raum ab, damit bestimmte Nutzungen darin stattfinden können. Darin enthalten sind architektonische Vorplanungen zur Erschließung, zum Brandschutz aber auch zu Grundrissen der Etagen. Es geht darum aufzuzeigen, welche Nutzungen wie viel Platz brauchen, welche Anforderungen sie an die Räume haben (zB. eine Entlüftungsanlage für eine Werkstatt oder Schallschutz-Fenster für eine Wohnnutzung) und wo im Gebäude sie verortet sind. Für uns gibt es verschiedene Kategorien von Bedarfen: so kann z.B. die langfristige Bezahlbarkeit ein Bedarf sein, der sich wiederum in dem Ausbaustandard der Gebäude niederschlägt. Der Bedarf nach individuell abschließbaren Räumen hat Auswirkungen auf die Organisation der Räume pro Geschoss und die zur Verfügung stehende Fläche für gemeinschaftliche Nutzungen. 

Der Bedarfsplan trägt alle Anforderungen zusammen, die in der weiteren Planung berücksichtigt werden müssen und zeigt auch auf, welche investiven Maßnahmen nötig sind. Die Angaben zu Haus A und zu den Erdgeschossen im Bestand werden im November 2020 in die Ausschreibung der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH für einen Generalübernehmer einfließen, der auf der Grundlage der erarbeiteten Planungsunterlagen die Bestandsgebäude in den kommenden Jahren sanieren wird. 

Grundlage für das Bedarfsprogramm ist weiterhin das initiale Konzept der Initiative Haus der Statistik, das die ZKB eG um Bedarfe aktueller und zukünftiger Nutzer:innen ergänzt. Im Fokus stehen dabei die Erfahrungswerte aus den laufenden Pioniernutzungen, doch wird sich der Prozess auch immer wieder in sogenannten PlanTischen für die interessierte Stadtgesellschaft öffnen.