Abschlusskolloquium

Nach der Vorstellung des Ablaufs und der Überprüfung der Anwesenheit wurden die Ergebnisse des letzten Zwischenkolloquiums zusammengefasst und kurz auf das Verfahren zurückgeblickt. Die BSM mbH stellte die Ergebnisse der Vorprüfung vor, die in der ersten Januarhälfte durchgeführt wurde. Die Planungsteams wurden gegen Mittag dazu geladen, um in einer internen Sitzung für Rückfragen des Obergutachter:innengremiums zur Verfügung zu stehen. Nach dem Mittagessen fand der zweite Teil der internen Sitzung des Obergutachter:innengremiums statt, in dem, ohne die Planungsteams, über die Entwürfe diskutiert wurde.

Ansicht von COBE Berlin / Sörensen Landschaftsarchitekten

Das Obergutachter:innengremium (OGG) würdigt in dem vorgestellten Entwurf von COBE Berlin mit Sörensen Landschaftsarchitekten die Großzügigkeit im innenliegenden Freiraum und sein „Verständnis für den Bestand“. Es bilden sich trotz der Größe des Freiraums differenzierte Teilräume. Das vorgesehene Gewächshaus wird, besonders für die kalte Jahreszeit, als „reizvoll“ hervorgehoben. Der Entwurf des Rathauses gibt eine überzeugende Antwort auf die geplanten Hochhäuser im Umfeld des Alexanderplatzes. Auch die „Arche“ und der Pavillon an der Kreuzung Otto-Braun-Straße / Karl-Marx-Allee finden die grundsätzliche Zustimmung des OGG. Die Umsetzung der Wohnbebauung an der Berolinastraße, besonders das südliche Gebäude, beurteilt das OGG als nicht gelungen. Durch die hohe Gebäudetiefe ergeben sich Probleme für die Grundrissgestaltung. Der von den Partner:innen der Koop 5 gewünschte integrierte Entwurfsansatz und die Mischung der einzelnen Nutzungsbausteine wird laut OGG bei diesem Entwurf leider nur eingeschränkt umgesetzt.

Ansicht von ISSS Research Architecture / Octagon architekturkollektiv /ManMadeLand

Der Entwurf von ISSS Research & Architecture mit Octagon architekturkollektiv und ManMadeLand geht laut OGG sensibel mit der Komplexität der als „Antiquitäten“ bezeichneten Überreste historischer Stadtstrukturen (einzelne Gebäude, Straßenzüge, etc.) um. Die Blockstrukturen an der Berolinastraße sind von allen Seiten erschlossen, es entstehen darin klar abgrenzbare sowie getrennt nutz- und realisierbare Gebäude. Die Öffnung an jeweils einer Seite pro Gebäudekomplex durch die dreigeschossigen Atelierhäuser wird als angenehm empfunden. Die unregelmäßigen, nicht rechtwinkligen Baukörper verhindern jedoch in weiten Teilen die Anwendung von Standard-Grundrissen im Wohnungsbau, weswegen die Kostenrisiken eher als hoch bewertet werden. Die engen Abstände der vorgeschlagenen Gebäude untereinander und zum Haus der Statistik erwecken jedoch Zweifel an der Qualität sowohl des öffentlichen Raums als auch der Wohnungen. Außerdem wird der Entwurf trotz seiner historischen Zitate dem Ort nicht gerecht und reagiert nicht angemessen auf den Bestand – sowohl im Plangebiet als auch in der unmittelbaren Nachbarschaft. Die Erdgeschosszone ist konsequent öffentlich gestaltet, was jedoch die Verlagerung des Innenhofs in das Obergeschoss und den Rückzug der Bewohner in den Innenhof zur Folge hat.

Ansicht von Teleinternetcafé / Treibhaus Landschaftsarchitekten

Der Entwurf von Teleinternetcafé mit Treibhaus Landschaftsarchitekten entwickelt sich stark aus der Nutzung heraus und entspricht im Vergleich mit den anderen Beiträgen am ehesten dem Anforderungsprofil und dem „Geist“ der Koop5. Das sich wiederholende Muster der Gebäudeblöcke und Höfe ist in sich stimmig. Die städtebauliche Struktur erlaubt differenzierte Räume, die in einer spannenden Raumfolge angeordnet werden. Allerdings wird die so entstandene Struktur als zu straff und zu wenig angepasst an die Bestandsbebauung der Berolinastraße bewertet. Die ungenügende Integration des Hotels an der Mollstraße 4 und die Platzierung eines Gebäuderiegels zum Hotel hin werden als Bruch mit dem Bestand sehr kritisch gesehen. Das nördliche Gebäudeensemble aus Wohnbebauung, Nutzungen der ZKB und dem Rathaus wird als zu stark verschränkt in der horizontalen Nutzungsmischung gesehen. Zudem erscheint der Hof dieses Gebäudeensembles zu klein für eine Nutzung durch den Bezirk Mitte mit dem Rathaus sowie mögliche angrenzende Nutzungen.

Nachdem alle drei Arbeiten intensiv besprochen und diskutiert wurden, entscheidet das OGG einstimmig, den Entwurf des Planungsteams ISSS Research & Architecture mit Octagon architekturkollektiv und ManMadeLand aus dem Verfahren ausscheiden zu lassen.

Die Beiträge der Planungsteams COBE Berlin mit Studio Sörensen Landschaftsarchitektur und Teleinternetcafé mit Treibhaus Landschaftsarchitekten werden weiterhin von den anwesenden Obergutachter:innen und Sachverständigen diskutiert und auf ihre Vor- und Nachteile geprüft. Die beiden Entwürfe weisen sehr individuelle Qualitäten und unterschiedliche Programmübersetzungen auf.

Deutlich wird, dass weiterer Klärungsbedarf besteht, der vor einer endgültigen Entscheidungsfindung ausgeräumt werden muss. Das OGG spricht sich daher einstimmig für eine kompakte Nachbearbeitungsphase aus. Die beiden verbliebenen Planungsteams (COBE Berlin mit Studio Sörensen Landschaftsarchitektur und Teleinternetcafe mit Treibhaus Landschaftsarchitekten) werden damit beauftragt, ihre Entwürfe in kompakten Workshops (jeweils 1 bis 2 Tage) gemeinsam mit den Auslober:innen bezogen auf die formulierten Kritikpunkte zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Abschließend sollen die Ergebnisse aus diesen Workshops dann dem OGG vorgestellt werden.